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Evaluation der Traumaambulanzen nach dem Opferentschädigungsgesetz in Nordrhein-Westfalen
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Vandenhoeck & Ruprecht
Fragestellung: Im Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden in den letzten Jahren 35 Traumaambulanzen... mehr
Evaluation der Traumaambulanzen nach dem Opferentschädigungsgesetz in Nordrhein-Westfalen
Fragestellung: Im Bundesland Nordrhein-Westfalen wurden in den letzten Jahren 35 Traumaambulanzen nach dem Opferentschädigungsgesetz sowohl für Kinder- und Jugendliche als auch für Erwachsene in Trägerschaft der Versorgungsverwaltung beziehungsweise ab 2008 der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland eingerichtet. Dadurch konnte Betroffenen bereits innerhalbder erstenTage nach demGewaltereignis eine qualifizierte psychotraumatologische Sofortintervention ermöglicht werden. Nach Erreichung einerweitgehenden Flächendeckung galt es, die Effektivität dieses Akutversorgungsangebotes für Gewaltopfer zu überprüfen.Methode: 2007 wurden die Traumaambulanzen im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des LandesNordrhein-Westfalen (MAGS) einer wissenschaftlichen Evaluation unterzogen. In 17 Traumaambulanzen wurden in einem Messwiederholungsdesign (unmittelbar vor dem ersten Kontakt/nach Abschluss der Intervention/Katamnese nach 6Monaten) neben den soziodemographischen Daten der mindestens14-jährigen Betroffenen die Impact of Event Scale – revised (IES-R), die Symptom-Checkliste-27 (SCL-27), das vereinfachte Beck-Depressions-Inventar (BDI–V), die Global Assessment of Functioning Scale (GAF) sowie der Kölner Risiko Index (KRI) (Expertenrating) eingesetzt und behördlich zusammengestellt.Ergebnisse: Drei Viertel (65.9 %) aller Traumaerfahrungen der hier erfassten 211 Patienten sind als Typ-I-Traumatisierungen zu charakterisieren. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung widerfuhren 31.8% aller Betroffenen (94.0% der Sexualstraftaten betrafen Mädchen bzw. Frauen). Das nach der Kriminalstatistik häufigste personenbezogene Delikt „Straftat gegen die körperliche Unversehrtheit“ (88.8 %; davon 34.8%weiblich) traf 36.0%aller Traumaambulanz-Patienten (63.2% davon waren weiblich). Bei 57.1% der Betroffenen lag zwischen dem traumatischen Ereignis und der ersten Intervention weniger als ein Monat. In 51.7%(n = 109) der Fälle wurde bei der Erstvorstellung (ein Verdacht auf) eine PTBS (F43.1) diagnostiziert. Über alle Instrumente gemittelt ergab sich eine durchschnittliche Effektstärke von d = 1.04 (SD = 0.28) im Prä-Post-Vergleich. Die paarweisen Vergleiche zeigten für alle Skalen hochsignifikanteMittelwertsdifferenzen zwischen Prä- und Post- beziehungsweise Präund Katamnesemessung (p < .001) im Sinne einer deutlichen Symptomreduktion.Diskussion: Die Inanspruchnahme der Leistungen der Traumaambulanzen geschieht zeitnah und gezielt. Die ermittelten Effekte beschreiben eine sehr effektive Arbeit der Traumaambulanzen im Dienste der Betroffenen. Dabei ist die Aussagekraft dieser naturalistischen Studie jedoch begrenzt auf diejenigen Betroffenen, die das Angebot der Traumaambulanzen angenommen haben.
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