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Das Gespenst der Vergangenheit:
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Vandenhoeck & Ruprecht
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Das Gespenst der Vergangenheit:
Im Zentrum des folgenden Artikels steht die Frage nach der transgenerationellen Weitergabe kollektiver Gewalterfahrungen. Es geht um „postmemory“, die Erinnerung der Kinder von Opfern und Tätern bzw. der Kinder von Eltern, die durch ihre Zugehörigkeit zu einer Nation oder ethnischen Gruppe an Krieg und Völkermord beteiligt waren oder Krieg und Völkermord erlitten haben. Der Artikel stellt das transgenerationelle Trauma des Holocaust, von dem die Kinder der Opfer und Täter gemeinsam, wenn auch in radikal unterschiedlicher Weise betroffen sind, in den Kontext anderer Geschichten der Gewalt wie dem Kolonialismus, der Sklaverei, der Verfolgung von Dissidenten in diktatorischen Ländern (bspw. im Chile Pinochets) und der Apartheid. Im „postmemory“ ist das Erleben immer durch Darstellung vermittelt. Das Paradox der traumatischen Darstellung, das darin besteht, dass etwas Unsägliches zugleich unbedingt gesagt werden muss, nimmt im Artikel daher einen breiten Raum ein. Die von Nicolas Abraham und Maria Torok entwickelten Begriffe der „Krypta“ und des „Phantoms“ und ihr Verfahren der „Kryptonymie“ dienen als Leitfaden, um dieses Paradox zu verstehen und Wege zu zeigen, wie es bearbeitet werden kann. In diesem Zusammenhang spielen kollektive „Deckerinnerungen“ eine wichtige Rolle. Sie können dazu dienen, etwas Unerträgliches zu verbergen und abzuspalten. Sie können aber auch durch Verlagerung auf eine andere Geschichte der Gewalt dazu genutzt werden, es auf indirekte Weise zu artikulieren, und damit eine direktere Auseinandersetzung mit ihm vorbereiten. Der Artikel plädiert für das Konzept eines „multidirektionalen Gedächtnisses“, in dem kollektive Übertragungsprozesse unterschiedliche Geschichten der Gewalt miteinander verbinden. Ein derart vernetztes Gedächtnis beinhaltet eine Alternative zu einer Trauerarbeit, die sich ausschließlich auf die eigene Geschichte bezieht und in der die Anerkennung des Leidens der Einen sich deshalb nur auf Kosten der Anerkennung des Leidens der Anderen vollziehen kann.