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Kollektive Traumata – „Erlebensgemeinschaft“, Diskurs und Aneignung
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Kollektive Traumata – „Erlebensgemeinschaft“, Diskurs und Aneignung

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Vandenhoeck & Ruprecht
Nachdem der Begriff Trauma ursprünglich für körperliche und später für seelische Verletzungen von... mehr
Kollektive Traumata – „Erlebensgemeinschaft“, Diskurs und Aneignung
Nachdem der Begriff Trauma ursprünglich für körperliche und später für seelische Verletzungen von Individuen angewandt wurde, wird er inzwischen auch dafür benutzt, kollektive „Wunden“ zu beschreiben. An Beispielen aus der Friedens- und Konfliktforschung werden einerseits Potenziale einer erhöhten Aufmerksamkeit für psychische Verletzungen erkennbar, andererseits zeigen sich Risiken des neuen Traumadiskurses, die vor allem in einer einseitigen Psychologisierung zu sehen sind. Im zweiten Schritt wird für ein differenziertes Verständnis von „kollektivem Trauma“ plädiert, das die Analyse kultureller, diskursiver Prozesse mit der Analyse des psychischen Erlebens verbindet. Ein kollektives Trauma ist zunächst eine massenhafte Traumatisierung vieler einzelner. Die (individual-)psychologische Perspektive sieht hier vor allem die Problematik von zu hohen Heilungs- und Versöhnungserwartungen. Zugleich macht eine eher sozialpsychologische Perspektive sichtbar, dass ein Massentrauma von einer Großgruppe als „kollektives Trauma“ symbolisch angeeignet werden kann, indem sich die Mitglieder auf Grund unterschiedlicher Zugehörigkeitsgefühle durch das gleiche Ereignis symbolisch mittraumatisiert fühlen. Dabei kommt kulturellen Interpretationsprozessen und Diskursen große Bedeutung zu. Im Gegensatz zum individuellen Trauma ist das „kollektive Trauma“ somit eine kulturelle bzw. soziale Konstruktion, d. h. das Kollektiv des kollektiven Traumas entsteht erst im Rahmen von Interpretations-Spielräumen.