Der Artikel wurde erfolgreich hinzugefügt.
Soziale Frühwarnsysteme: ambulant versus stationär – oder beides?!
Zeitschriftenartikel
7,00 € *  (D)

inkl. MwSt., versandkostenfrei innerhalb D/A/CH

Sofort als Download lieferbar

Ausgabeformat:

Sprache:
Vandenhoeck & Ruprecht
Hintergrund: Zur Sicherstellung des Kindeswohls ist die frühzeitige Identifizierung von Familien... mehr
Soziale Frühwarnsysteme: ambulant versus stationär – oder beides?!
Hintergrund: Zur Sicherstellung des Kindeswohls ist die frühzeitige Identifizierung von Familien mit psychosozialer Belastung im Sinne eines Sozialen Frühwarnsystems und die Schaffung einer präventiven Unterstützung nach Möglichkeit schon ab Schwangerschaft oder von Geburt an notwendig. Dazu wird in zwei evaluierten Modellprojekten ambulant (Mum) und stationär (Babylotse) der Zugang zu den regionalen Hilfesystemen angebahnt. Im Fokus stehen dabei Familien mit Kindern bis zu drei Jahren, deren Lebenssituation durch hohe Belastung und Risiken gekennzeichnet ist. Empirisch gesicherte Risikofaktoren sowie protektive Faktoren der Familie bilden den Ausgangspunkt zum Einstieg in das Begleitsystem zum Zeitpunkt der Schwangerschaft bzw. der Geburt. Während der Schwangerschaftsvorsorge in der Frauenarztpraxis bzw. der Aufnahme in der Geburtsklinik wird unter Zuhilfenahme eines Risikoinventars die Indikation zur Teilnahme ermittelt. Eltern können daraufhin freiwillig im stationären Setting ein Beratungsgespräch mit den Babylotsen führen, im Zuge dessen der Bedarf an psychosozialer Unterstützung »ausgehandelt« wird. Im ambulanten System erfolgt der Kontakt zur Mutter an sog. Touch Points (Stressphasen) während der Schwangerschaft bis zur Vollendung des ersten Lebensjahrs des Kindes per Telefon. Die Überleitung ins Hilfesystem wird von den Lotsen in beiden Systemen vorbereitet, mit den Eltern verbindlich verabredet und initiiert. Im anschließenden Monitoring wird die Inanspruchnahme der Hilfeleistungen geprüft und veränderten Bedarfen der Familien Rechnung getragen.Methoden: Die wissenschaftliche Evaluation des stationären Frühwarnsystems »Babylotse« wurde finanziert von der Behörde für Familie, Gesundheit und Soziales Hamburg von 2007 bis 2010 und gewährleistet durch die Forschungsgruppe »Präventionsforschung« am Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Dazu wurden Strukturanalysen, Zufriedenheitsbefragungen, Gesundheitschecks in Form von Hausbesuchen im Kontrollgruppendesign durchgeführt. Die Evaluation des ambulanten Frühwarnsystems wurde im Rahmen einer Qualifikationsarbeit am o. g. Institut für Medizinische Psychologie geleistet und beinhaltete Akzeptanzanalysen per Interview versus Fragebogen und Fallkategorisierungen sowie Aufwandsanalysen.Ergebnisse: Anhand von N = 853 betreuten Fällen im stationären Frühwarnsystem »Babylotse« werden die Hauptbelastungsbereiche der Familien deutlich, und die sich ergebenden Unterstützungsbedarfe werden einer längsschnittlichen Bewertung unterzogen. Zum 1. Geburtstag des Kindes werden die Eltern zum Nutzwert des Babylotseneinsatzes befragt und zeitgleich randomisiert ausgewählte Familien im Kontrollgruppendesign aufgesucht, um einen Gesundheitscheck der Kinder durchzuführen. Die parallele Strukturanalyse ermittelt die Veränderung und Nutzung des Hilfesystems in den Hamburger Bezirken während der 3-jährigen Projekttätigkeit der Babylotsen. Die N = 299 auswertbaren Fälle im ambulanten Frühwarnsystem »Mum« wurden zur Akzeptanzanalyse und Fallkategorisierung genutzt. Fragestellungen zu den Hauptproblemen und dem Teilnahmeverhalten im Projekt sowie Nicht-Teilnehmeranalysen geben Aufschluss über die Nutzung des Systems insgesamt.