Österreichs Kreuzzüge. Die Babenberger und der Glaubenskrieg 1096–1230 – Teil 1: Der Autor im Gespräch

Herr Fischer, was hat Sie dazu veranlasst, ein Buch über Österreichs Anteil an den Kreuzzügen zu schreiben?

Faszination und auch Neugier gegenüber einem Thema, das bislang in Buchform nicht behandelt wurde.

Über das mittelalterliche Österreich gibt es teils brillante Bücher, ebenso über die Babenberger, die das Donaufürstentum am Ostrand des Heiligen Römischen Reiches 270 Jahre lang regierten. Selten im Zentrum der Aufmerksamkeit stand hingegen Österreichs Anteil an den europäischen Glaubenskriegen des Hochmittelalters.

Ich fand, dass es Zeit war, dieses Thema aufzugreifen. Denn die Ära der Kreuzzüge war ein historisches Langzeitereignis ersten Ranges und der Part, den die Babenberger dabei spielten, beträchtlich – größer, als man es bei einem kleinem Fürstentum am Ostrand des Heiligen Römischen Reiches erwarten würde.

Wie ist die Rolle der Babenberger bei den Kreuzzügen einzuschätzen?

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, muss man sich vor Augen halten, wie gewaltig die Kreuzzugsbewegung eigentlich war und welch fatale Folgen sie hatte.

Vom ersten Kriegsaufruf Papst Urbans II. im Jahr 1095 bis weit in 13. Jahrhundert hinein erzeugte die Kreuzzugsbewegung eine ungeheure Sogwirkung in Europa. Über zwei Jahrhunderte zogen Hunderttausende Kreuzritter ins weit entfernte Heilige Land, um Krieg im Zeichen des Glaubens zu führen. Die daraus resultierenden Kämpfe forderten nicht nur aberwitzig viele Menschenleben, sondern beeinflussten auch die Geschichte der islamischen Welt sowie der christlichen Welt massiv.

Bei dieser umwälzenden Bewegung machten die Babenberger nicht nur mit, sie taten es mit einer Konsequenz, die ihresgleichen suchte. Sie nahmen, von einer Ausnahme abgesehen, an allen großen Kreuzzügen des 12. und frühen 13. Jahrhundert teil. In Sachen Glaubenskrieg gehörten sie zu den engagiertesten Fürstenfamilien Mitteleuropas. Sie waren eine echte Kreuzritterdynastie.

Wenn man an die Babenberger und die Kreuzzüge denkt, kommt einem quasi automatisch Richard Löwenherz in den Sinn, wie er bei der Rückkehr vom Kreuzzug bei Wien verhaftet wird, seine Gefangenschaft in Dürnstein, der Sänger Blondel…

Dass ein Sänger Blondel von Burg zu Burg gezogen sei, um seinen König zu finden, ist historisch nicht nachweisbar.

Ansonsten aber ist die Gedankenassoziation durchaus zulässig und auch naheliegend. Die Gefangennahme von Richard Löwenherz durch den Babenberger-Herzog Leopold V. fand ja im Kontext des Dritten Kreuzzuges statt, an dem sowohl der englische König als auch der österreichische Herzog teilgenommen hatten. Und sie war ein echter Paukenschlag, sorgte für enormes Aufsehen in Europa sorgte und wuchs sich zur größten Erpressungsaffäre des Hochmittelalters aus.

Aber es gab bei den österreichischen Kreuzzügen auch andere, kaum weniger markante Ereignisse und Aspekte. Es gehörte zu den Eigenheiten der Babenberger, dass ihre Teilnahme am Glaubenskrieg stark dazu neigte, spektakulär auszufallen. Das zeigte sich schon gleich zu Beginn.

Denn ihren Einstieg in die Kreuzzugsbewegung vollzog eine Frau.

Und nicht nur das: Statt in männlicher Begleitung loszuziehen, wie man(n) es im Hochmittelalter für angebracht hielt, brach sie auf eigene Faust nach Jerusalem auf.


Interview Teil 2

Robert-Tarek Fischer ist promovierter Historiker. Er verfasste mehrere Publikationen zur Geschichte des Mittelalters sowie zur Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie zur Geschichte des 12. Jahrhunderts – darunter »Richard I. Löwenherz. Ikone des Mittelalters« und »Wilhelm I. Vom preußischen König zum ersten Deutschen Kaiser«.

Sein neues Buch »Österreichs Kreuzzüge. Die Babenberger und der Glaubenskrieg 1096–1230« ist auf der Longlist zum »Wissenschaftsbuch des Jahres 2022«. Weitere Infos dazu hier.

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