Kleiner KrisenKompass: Auf Sinnsuche gehen

Sie wissen gerade nicht, wohin die Reise gehen soll? Sarah Pohl ermutigt Sie, sich getrost auf hohe See zu wagen, Ihren Glauben an sich und andere zu stärken und nach Ihrer eigenen Form der Spiritualität zu suchen.

 

So langsam wissen viele nicht mehr, was sie in diesen unsicheren Zeiten glauben sollen: Haben Sie einen Tipp, was man tun kann, um seinen inneren Kompass zu stärken?

Unsicherheit ist manchmal schwer auszuhalten. Die meisten Menschen wollen die Welt verstehen, und viele sehnen sich nach Sicherheit, Vorhersehbarkeit und weniger Komplexität. Zurzeit haben viele Menschen den Eindruck, die Welt sei aus den Fugen geraten. Verstehbarkeit entlastet und reduziert Ohnmacht. Deswegen neigen manche Menschen gerade in unsicheren Zeiten dazu, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu suchen.

In unsicheren Zeiten haben unseriöse Angebote, Gurus oder windige Coaches Konjunktur, die ebensolche Antworten liefern. Leider haben wir die Erfahrung gemacht, dass solche Strategien nicht besonders nachhaltig sind und Menschen noch tiefer in Krisen führen können, weil zum Beispiel Abhängigkeiten entstehen oder ein hoher finanzieller Schaden.

Trotzdem sind Spiritualität und Glaube gerade in bewegten Zeiten eine wichtige Ressource. Doch nicht jedes Angebot ist für jede:n passend. Ich lade in meinem Buch »Spiritueller Schiffbruch« zu einem Streifzug durch den Dschungel der esoterischen, spirituellen oder anderen weltanschaulich geprägten Lebenshilfeangeboten ein. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem spirituellen Markt kann helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Spiritualität als Unterstützung in unsicheren Zeiten als zu nutzen.

Wagen Sie sich also getrost auf »hohe See«, stärken Sie Ihren Glauben und suchen Sie nach Ihrer eigenen Form der Spiritualität. Erlauben Sie sich eine kritische Haltung, mit sich selbst, mit Anbietern und mit weltanschaulichen Systemen. Phasen der Orientierungslosigkeit sind normal und können helfen, den Kompass neu zu justieren, ganz im Sinne von »Krise als Chance«. Ich möchte Sie darin bestärken, genauer hinzusehen, Dinge zu hinterfragen und den eigenen Bedürfnissen nachzuspüren.

 

Die Suche nach Sinn ist nicht immer einfach: Welche Klippen gibt es im Meer der spirituellen Möglichkeiten und wie kann man sie umschiffen?

Nicht wenige Anbieter schlagen aus der Sinnsuche orientierungsloser Menschen Profit. Es gibt unzählige Angebote kommerzialisierter Spiritualität, esoterische Produkte mit fadenscheinigen Versprechungen, Wunder- und Heilmittel jeder Art. Viele Menschen suchen nach Verzauberung oder hoffen auf einfache Wege, um Krankheiten und andere Probleme zu kurieren. Längst ist Glaube auch ein Konsumgut geworden. Selbstoptimierung und Selbstverwirklichung liegen im Trend. Manche Anbieter »streicheln das Ego« und bedienen dadurch beispielsweise das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung. Solch eine Komfortzonenspiritualität kostet meist und kann ein völlig verschobenes Selbstkonzept erzeugen.

Manche Anbieter fördern mit Aussagen wie »nur meine Methode wirkt« außerdem gezielt Abhängigkeiten, teils werden Ängste getriggert, im Sinne von: »Ohne mich bist du verloren.« Einige Manipulationstechniken zu kennen, sensibilisiert und kann helfen, nicht in eine Esoteriksucht zu verfallen.

Wichtig ist es auch, sich der Auswirkung von Gruppen bewusst zu sein, denn oft wird Glauben ja nicht allein, sondern mit Gleichgesinnten gelebt. Wir Menschen haben ein tief verankertes Bedürfnis nach Zugehörigkeit, und manchmal geht das so weit, dass wir eigene Bedürfnisse oder Meinungen der Gruppe unterordnen, weil wir die Gruppenharmonie nicht gefährden wollen.

Sich der Klippen und Untiefen bewusst zu werden, die auf einer spirituellen Sinnsuche lauern, ist ein erster Schritt, diese zu umschiffen.

 

In vielen Familien und Freundeskreisen sind in den letzten Monate Risse entstanden, manche Themen haben sich zu wahren Fallstricken entwickelt: Wie gelingt ein einigermaßen unbeschwerter Umgang, wenn uns wichtige Menschen einfach ganz anders zu ticken scheinen?

Die Devise im Umgang mit Menschen, die etwas anderes glauben als wir selbst oder die zu bestimmten Themen eine andere Meinung haben, sollte lauten: verstehen statt verurteilen. Rasch fühlen wir uns in unserer Meinung und unserem Glauben angegriffen, wenn Menschen ein uns fremdes Überzeugungssystem haben. Die Einladung, den anderen zu verstehen, bezieht sich vor allem darauf, dessen hinter einer Meinung liegenden Bedürfnisse und Gefühle zu verstehen.

Damit es gelingt, einander wieder »besser zu verstehen«, hilft es zum Beispiel Fragen zu stellen, sich zurückzunehmen und einfach mal zuzuhören. Fragen haben dabei gleich eine doppelte Wirkung: Sie helfen uns, den anderen besser zu verstehen, und der andere lernt sich selbst zu hinterfragen. Aber auch den Blick wieder auf das zu richten, was eigentlich verbindet, die gemeinsame Basis bewusst zu stärken, ist nützlich, gerade dann, wenn es nur noch um das eine Thema geht.

Reduzieren Sie einen Menschen nicht auf seine Meinung zu einem bestimmten Thema. Zum Streit gehören immer zwei. Machen Sie sich bewusst: Sie können den anderen nicht verändern – wohl aber sich selbst und Ihre Haltung. Stellen Sie sich selbst doch mal die Frage, warum Sie bestimmte Themen so wütend machen, was der andere mit seinen Überzeugungen bei Ihnen auslöst. Und vielleicht meint der andere es ja gar nicht böse, sondern signalisiert mit den endlosen Diskussionen und Nachrichten zu einem bestimmten Thema: Du bist mir wichtig und deswegen schreibe ich dir all das und diskutiere mit dir.

Am wichtigsten jedoch: Lassen Sie den Faden nicht abreißen. Bleiben Sie miteinander in Kontakt, auch wenn Sie anderer Meinung sind.

 

Welche Frage hätten Sie noch erwartet, was möchten Sie uns gern noch mit auf den Weg geben?

Spiritueller Schiffbruch klingt erstmal etwas abschreckend. Und wenn ich auf Untiefen und Klippen verweise, dann ist meine Perspektive sicherlich zunächst etwas defizitär. Dabei möchte ich jedoch ganz klar sagen: Eine spirituelle Seefahrt lohnt sich, selbst wenn das Risiko besteht zu kentern. Spiritualität kann in schwierigen Lebenszeiten eine enorme Ressource sein, sich auf die Suche nach dem eigenen Glauben zu machen beinhaltet, auch mal auf Irrwegen zu landen. Deswegen: Lassen Sie sich nicht abschrecken, gehen Sie das Wagnis ein und machen Sie Ihre ganz eigenen Erfahrungen.

 

Weitere Beiträge zu unserem Kleinen KrisenKompass finden Sie hier.

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