Impuls R – Resilienz: Vom IST- zum SOLL-Zustand

1. Impuls C – CHANCE
2. Impuls O – ORDNUNG
3. Impuls R – RESILIENZ
4. Impuls O – OPTIMISMUS
5. Impuls N – NACHHALTIGKEIT
6. Impuls A – ALTERNATIVEN

 
Gern möchte ich Sie einladen, einen kleinen Parcours in Form eines Crashkurses mit mir zu gehen. Er soll Ihnen, wenn Sie die Fragen in stillen Minuten für sich beantworten, bewusst werden lassen, was Sie doch schon alles draufhaben und mit welchen persönlichen Widerstandskräften einer Stehaufmännchenmentalität Sie de facto schon ausgestattet sind.

Der pragmatische Resilienzprozess
Das Geheimnis des Resilienztrainings liegt in der praktischen Anwendung eines geschnürten Pakets mit verschiedenen Ressourcen und ihren dynamischen Einheiten. Es gibt viele Wege nach Rom und auch viele für diesen Prozess. Dabei gilt es, den Ressourcen auf die Spur zu kommen, sie sich bewusst zu machen, indem sie erkundet werden. Dafür kann zunächst mit einer aktuellen Bestandsaufnahme des IST-Zustandes angefangen werden.

Der IST-Zustand
Nehmen wir einmal an, es steht aktuell ein Problem im Raum. Da wäre das genaue Betrachten des Problems oder der Situation in ihrem IST-Zustand recht sinnvoll. Der beschriebene IST-Zustand fokussiert normalerweise zunächst einmal auf seine Negativaspekte mitsamt seinen Sichtweisen, Haltungen und seinem Verhalten.

Wer mag, kann sich folgende Fragen stellen, wie er diese Problematik derzeit empfindet:

  • Was hält dieses Problem/die Situation aufrecht?
  • Welche Faktoren spielen dafür eine Rolle?
  • Was trage ich durch mein eventuell unangemessenes Verhalten oder meine undurchsichtigen „Spielchen“ mit dazu bei?
  • Wer ist dabei noch involviert?

Weiterhin erweist es sich als hilfreich, sich weitere offene und gezielte Fragen zu stellen – ohne ein Schönreden oder eine Verharmlosung – und sich wirklich um eine ehrliche Antwort zu bemühen. Eine noch größere Wirkung wird erzielt, wenn die Fragen schriftlich beantwortet werden.
Hier nun einige Themen in einer Auswahl, was sich für einen persönlich hinter dem Problem als Defizit oder Mangel verbergen könnte:

  • ICH ohne den andern
  • das NEHMEN in der Haltung als Einbahnstraße
  • das VERZAGEN ohne eine Unterstützung
  • die FIXIERUNG im negativen Verhaftetsein
  • das FESTHALTEN an Gewohntem und nicht Loslassen-Wollen
  • die ANGST vor Neuem
  • das LIEGEN-bleiben-Wollen

Der IST-Zustand könnte für manche:n auch die Aufschrift tragen: „ENTWEDER-ODER-Denken“, deshalb ist als ein Rundumblick eine weitere Reflexion anzuraten. Mit einem Dreihundertsechzig-Grad-Blick kann in die verschiedenen Ecken geleuchtet werden, ob sich darin doch noch etwas Hilfreiches auftut, was bislang übersehen wurde. Dabei sollte aufmerksam und geduldig vorgegangen werden:

  • Was habe ich bisher versucht und bin damit gescheitert?
  • Gibt es noch eine andere Option zu handeln?
  • Weshalb habe ich diese nicht gewählt?
  • Was muss ich so akzeptieren wie es nun mal – unabänderlich – ist?

Ein unabdingbarer, stabilisierender Faktor ist die Akzeptanz des Unabänderlichen, bevor das zu Verändernde ansteht. Sie bildet eine Grundvoraussetzung im Prozess und ist wichtig als Teil des Fundaments für das weitere Bauen. In dem akzeptierenden Annehmen dessen, wie etwas ist, wird bisher gebundene Energie frei für Neues. Sie war bislang im Gegenankämpfen gebündelt und steht nun für weitere Veränderungen und Baumaßnahmen zur Verfügung.

Je nachdem mit welchem Gefühl das Unabänderliche noch verbunden ist, kann man sich insgesamt mit einem kleinen Ritual respektvoll davon verabschieden:
So kann ein Brief geschrieben werden, in dem das Bedauern über etwas Getanes oder sich nicht Gegönntes formuliert wird oder über den Schmerz des schwierigen Hindurchringens, etwas zu tun oder zu lassen, als auch über ein bewusstes und endgültiges Loslassen von etwas, von dem man sich in einer guten Haltung und schweren Herzens in der Hoffnung auf Veränderung(en) oder in Erwartung einer Besserung verabschiedet. Vielleicht gelingt auch ein kleiner Dank für diesen Anteil, dass er im Leben vorhanden war und darin vielleicht auch eine bestimmte Funktion erfüllt hat.
Dieses Ritual kann einerseits ein schmerzvoller Prozess sein, zumal das Ganze sehr sensibel aus einer verletzten und verletzlichen Emotionalität geschrieben wird. Andererseits wird das so Verabschiedete auf eine kognitive Ebene gebracht, indem es im Nachdenken, im schriftlichen Formulieren und im In-Worte-Fassen strukturiert wird. Das versieht das Geschehen sachlich und faktisch mit einem guten und entschiedenen Schlussstrich!
Nach diesem nicht immer einfachen Vorgang lässt sich dann mit aller Kraft dem zuwenden, was im Hier und Jetzt zählt und wichtig ist.

Der IST-Zustand ist nicht das Ende (das wäre gleichbedeutend mit Beharren oder Stehenbleiben), da die Dynamik auf Bewegung abzielt, eine zum SOLL-Zustand. Beide Zustände existieren nicht isoliert für sich allein, weil sie miteinander verbunden sind und es ist angeraten, an einer weiteren stabilisierenden Verbindung zu bauen.


Vom IST-Zustand zum SOLL-Zustand
Die prozessleitende Kernfrage hin zum SOLL-Zustand lautet: „Was muss/sollte ich tun, um von einer Säule zur anderen eine Verbindung zu schaffen?“
Vielfältige Antworten bilden wiederum Bausteine für – in einem Bild beschrieben – den Bau einer Brücke hin zu dem Brückenkopf auf der anderen Seite des Flussufers.
Auf der Brücke sind Inschriften eingraviert. Hier nun ausgewählte Themen dazu:

  • RESSOURCEN (benannt in Ihren STÄRKEN)
  • DU (der bedeutende ANDERE)
  • GEBEN (was geteilt werden kann)
  • HOFFNUNG (dem andern vermitteln)
  • LOSLASSEN (von Überkommenem)
  • AUFSTEHEN (Bewegung nach vorn)
  • INNOVATION (andere Schritte gehen)

 

Um eine Verbindung zum SOLL-Zustand zu schaffen, sollte dieser zunächst für ein SOWOHL-ALS-AUCH untersucht werden. Es gilt, die folgenden Fragen genauer unter die Lupe zu nehmen, um sich die Antworten bewusst zu machen. Denn wenn ich etwas benennen kann, rückt es mehr und mehr ins Bewusstsein und ich kann aktiv mit ihm umgehen.
Dazu werden die proaktiven Resilienzfaktoren erkundet:

  • Was sind meine speziellen und individuellen Resilienzfaktoren?
  • Was sind meine Fähigkeiten und Stärken?
  • Was sind meine Kraftquellen im Innen und Außen?
  • Was habe ich mir in vergangenen Situationen an Fertigkeiten angeeignet?
  • Welche Person steht mir unterstützend zur Seite?
  • Welche Beziehung tut mir gut und bringt mich weiter?

Durch einen vorsichtigen Blick- oder Perspektivwechsel geschieht langsam eine Bewegung von einem IST-Zustand weg hin zu einem anderen SOLL-Zustand, der die Aufschrift trägt „SOWOHL-ALS-AUCH-Denken“.

Der SOLL-Zustand
Die Antworten des SOLL-Zustands werden umgearbeitet in kleine verhaltensorientierte Schritte, im Sinne von: wie ich Bestandteile des SOLL-Zustandes in meiner jetzigen Situation praktisch nutzen und umsetzen kann. Dieser aktiv gestaltete Weg mit den bewusst gemachten Resilienzfaktoren im Gepäck kann von einer Säule zur anderen ergänzend beschritten werden.
Resilienz vollzieht sich in dem permanenten Prozess desWERDENS des IST-Zustandes hin zum SOLL-Zustand mit den Elementen, die als Baustoff für Entwicklung, Veränderung und Wachstum dienen. Wird erst einmal etwas bewegt und in einer Dynamik auf den Weg gebracht, wird sich dies systemisch in seiner Aktivität weiterhin motivierend fortsetzen. In dieser Transformation kommen Ressourcennutzung und Potenzialentfaltung in einer Performance zu neuem, kreativem Ausdruck im Hier und Jetzt. Dafür ist so mancher Zwischenschritt noch nötig. Zur Unterstützung können die Antworten aus dem Resilienzfaktoren-Check herangezogen werden.

Quintessenz
Wenn du wissen willst,
was deine Ressourcen und Resilienzfaktoren sind,
musst du sehen,
was du in den Achterbahnfahrten des Lebens
– für dich angemessen und in deinem Sinne –
erfolgreich getan hast und tust
und was oder wer dich unterstützt hat und/oder es weiterhin tut!

 

Resilienzfaktoren-Check

Nehmen Sie sich für diesen Check zunächst einmal 10–15 Minuten von außen ungestörte Zeit. Nach dieser reflektierenden Arbeit haben Sie eine Liste von Erkenntnissen Ihrer persönlichen und individuellen Resilienzfaktoren. Intensiveres Nacharbeiten kann danach gern noch durchgeführt werden, um sich vielleicht noch ein paar zusätzliche wertvolle Notizen zu machen!

  • Wie habe ich in schwierigen Lagen oder Krisen in der Vergangenheit reagiert und was ist mir dabei wodurch gut gelungen (RESSOURCEN)
  • Wer hat mir zu ihrer Bewältigung verholfen und mich unterstützt (Der ANDERE)?
  • Was habe ich an Erfahrungsanteilen aus der Vergangenheit eingesetzt (TRANSFORMATION)?
  • Welche Idee, welchen guten Gedanken oder welchen Impuls einer Zuversicht bekam ich von außen (HOFFNUNG)?
  • Wodurch konnte ich besser mit Schwierigkeiten umgehen, indem ich was oder etwas losgelassen habe, befreiter wurde und mehr in die Kraft kam (LOSLASSEN)?
  • Wer hat mir Mut gegeben und meine Motivation angestoßen (AUFSTEHEN)?
  • Welches Umdenken und welche Impulse und neuen Sichtweisen brachten mich in proaktives Tun (INNOVATIVE Schritte)?
  • Wofür bin ich trotz alledem dankbar (DANKBARKEIT)?

 

Balsam für die Seele: Das Gänseblümchen!
Ein Lehrbeispiel aus der Natur in drei Aspekten

Es ist Sommer. Die Sonne scheint und die Menschen zieht es nach draußen. Mit der Decke unter dem Arm steuert ein Pärchen im Park auf eine Wiese zu. Die Decke wird ausgebreitet und darunter verschwinden das Gras, die Blumen, wie Gänseblümchen, und die sonstigen Bewohner dieser nunmehr in Besitz genommenen Fläche.
Stundenlang ist diese Fläche belegt.
Stundenlang ist es darunter dunkel.
Stundenlang drücken Menschen durch ihr Gewicht und sonstige schwere Gegenstände alles, was sich darunter befindet platt.
Stundenlang – bis sie wieder aufstehen, alles einräumen, die Decke aufheben, zusammenfalten und den Ort verlassen.

Ein Blick auf den nunmehr menschenleeren Ort: Alles auf dieser Fläche ist platt. Was vorher aufrecht stand, ist nun niedergewalzt. Die Vertikale wurde zur Horizontalen.
Meine verehrten und geliebten Gänseblümchen sehen mich jetzt nicht mehr an. Sie wurden niedergedrückt und liegen nun mit ihrem „Gesicht“ auf dem Boden.
Sie sind verbogen worden – ungefragt und durch äußere Gewalteinwirkung. Jedoch erstaunlicherweise: sie sind nicht geknickt.

Und … sie bleiben nicht unten liegen!
Stunden später stehen sie wieder aufrecht:
Keck recken sie der Welt wieder ihr „Gesicht“ entgegen.
Doch nicht in erster Linie der Welt, sondern der Sonne!

Damit wäre ich bei dem zweiten Aspekt, der mir als Vorbild dient:
Sie öffnen und schließen ihren Blätterkranz je nachdem, ob Licht vorhanden ist – sprich: ob die Sonne ausreichend strahlt oder nicht. Abends klappen sie ihre Blättchen nach innen um und schließen damit das gelbe Köpfchen ein.

Meine dritte Beobachtung:
Sie wenden sich dem Licht zu und drehen sich mit dem Lauf der Sonne.

Zusammengefasst: Worin ist nun das Gänseblümchen meine kleine Lehrmeisterin?

  • Es lässt sich nicht unterkriegen.
  • Es kümmert nicht der Druck von außen, weil es Kraft von innen hat.
  • Es hat diesem etwas entgegenzusetzen.
  • Es ist nicht starr, sondern beweglich und geht mit der Bewegung mit.
  • Es orientiert sich am Licht und der Wärme der Sonne.
  • Es verschließt sich, wenn die energetische Verbindung nicht mehr auseichend gegeben ist.
  • Es dokumentiert mir durch dies alles: eine lebendige, verbundene und proaktive Kooperation mit seiner Umwelt und ist mir ein durch und durch mutmachendes Beispiel.

 

 

Christa H. Herold, Psychologische Beraterin, ist in eigener Praxis in der systemisch-lösungsfokussierten Beratung, Therapie und Supervision tätig. Darüber hinaus ist sie geprüfte Schriftpsychologin, Burn-out-Beraterin und zertifizierte Mediatorin. Alle Beiträge von Christa H. Herold finden Sie hier.

 

 

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