Impuls A – Alternativen: Anders denken oder fühlen

1. Impuls C – CHANCE
2. Impuls O – ORDNUNG
3. Impuls R – RESILIENZ
4. Impuls O – OPTIMISMUS
5. Impuls N – NACHHALTIGKEIT
6. Impuls A – ALTERNATIVEN

 

Insbesondere in der aktuellen Krisensituation kommen wir gar nicht daran vorbei, alternativ zu denken. Zumal wir nicht wissen, wie lange die Pandemie noch dauern wird. Alte Muster sind in diesem Zeitintervall nur noch zum Teil zu verwenden, werden gar brüchig oder fallen ganz weg.
Schon zu Beginn vollzog sich in dieser neuen Situation ganz unmerklichen Kampf zwischen sich widerstreitenden Kräften und rief dadurch innere Konflikte auf den Plan – psychologisch: „kognitive Dissonanzen“. 

Vorstellungen, Interessen und Wünsche laufen einander zuwider. Einflüsterungen von der einen negativen Seite und jene von der anderen positiven, freundlich gesinnten Seite bauen Spannungen auf und kollidieren in ihren Reaktionen. Welche von beiden Seiten wird die andere am Ende hemmen? Welche Gedanken bekommen mehr Raum und welcher Stimme wird mehr Gehör verliehen, verbunden mit der entsprechenden Emotion? Der entscheidende Einfluss auf die Seite der Stärke, der Macht und der Dominanz liegt bei mir. Welche nähre ich mehr und trage somit dazu bei, dass sie fortbesteht?
Gewinnt jene Seite, die mich gefühlsmäßig runterzieht, weil ich ihr und ihren kritischen und negativen Hinweisen recht gegeben habe, dann hat das Folgen und es wachsen – ja wuchern – selbstredend auch:

  • die Bedenken und die Angst (um die German Angst noch einmal zu bemühen),
  • die Zweifel, ob wir das wirklich alles gut hinbekommen,
  • die Resignation und die Zweifel, ob die Kraft und Ausdauer ausreichen, dies alles vernünftig durchzustehen oder zu überstehen,
  • das Bedauern über den Wegfall von Sicherheiten,
  • die Ungewissheit darüber, wie lange alles mit Lockdowns, Shutdowns, den einschränkenden Regeln, einem wirksamen Impfstoff und der Rückkehr in eine Normalität dauern wird.

 

Triumphiert jedoch die andere Seite, jene, die stärkt, die an bisherige sehr schwere, aber überwundene und bewältigte Situationen erinnert (an denen man letztlich nicht zugrunde gegangen ist), dann zieht das die negativen und destruktiven Gedanken aus der Talsohle und lenkt sie hin auf das Machbare und zu Bewältigende – auch etwaige Einbußen und Verluste einkalkulierend. Das lässt trotz allem die Hoffnung wachsen, dass es möglich sein wird oder es gar ist, auch diese Krise unterm Strich bewältigen zu können. 

Was sich emotional für so manche:n oder gar für viele enorm positiv auswirkte, war das Erleben einer schnellen und zeitnahen finanziellen Unterstützung und der schrittweisen Nachbesserungen. Was für eine verwaltungstechnische Leistung!
Durch dieses kluge, resolute, politische Handeln in einer „German prompt action“ wurde der Entwicklung einer „German Angst“ zunächst einmal der Nährboden entzogen. Chapeau!
Weiterhin stärkt z. B. auch das über die Landesgrenzen hinaus verabschiedete 750-Milliarden-Euro-Konjunkturprogramm der EU als „Pakt der Generationen“. Natürlich reicht das nicht, trotzdem sollten wir es nicht als selbstverständlich betrachten. Nachvollziehbarerweise tun sich Fragen auf, weshalb der eine mit Millionen oder gar Milliarden gefördert wird und der andere (mit weniger Lobby) weniger oder gar nicht. Da werden dann – berechtigt oder auch nicht – die mäkelnden Stimmen laut was die Zeit, die Höhe, die Zielgruppe der Unterstützung anbelangt. Wäre dabei nicht auch einmal ein anerkennenswerter Blick auf unsere landesspezifischen Leistungen im Vergleich zu den Nachbarländern angesagt? Um trotz allem auch einmal etwas intelligenter und angemessener in der Kritik unterwegs zu sein. Bei wie vielen fließt da in anderen Ländern nichts, weil die Kassen leer und die sprichwörtlichen Brunnen ausgetrocknet sind. 

Rummäkelei und Besserwisserei sind das Gegenteil von sozialer Kompetenz und ihrer Denk- und Sichtweise. Wie wäre es trotzdem mit einem kleinen Denkanstoß? Seit ich ihn bekam, beeinflusst er mich und mein Verhalten mehr und mehr: Wer kritisiert, sollte Alternativen aufzeigen! Hinsichtlich meines wachsenden Bewusstseins dafür bin ich in so mancher tragischen und teils katastrophalen Situation, in der ich eigentlich eher ebenso mäkelig unterwegs gewesen wäre, vorher mit dem inneren Appell in mich gegangen: „Einfach mal die Klappe halten. Erst nachdenken!“ 

Sehen wir auf die Politiker:innen: Von ihnen wird noch ganz anderes im vorausschauenden Denken und Planen abverlangt – und das fast ohne Erfahrungsgrundlagen. Wissenschaftler:innen können ihre Aussagen gemäß neuer Erkenntnisse aus nachfolgenden aktuelleren Studien korrigieren, für die Politik sieht es da ganz anders aus. Ihr wird das nicht gleichermaßen zugebilligt, obschon diese Pandemie mit allem Drum und Dran auch für sie vorwiegend Neuland ist und Entscheidungen verlangt, die auf Versuch und Irrtum aufbauen. 

Was bedeutet das für meinen kleinen ganz persönlichen Lebenskosmos? Was heißt das für mich, wenn bei Personen des engeren Umfeldes das Verständnis für eine differenzierte Einschätzung dieser radikal herausfordernden Situation fehlt, der Blick über den privaten Tellerrand nicht gelingt oder auch nicht gewollt ist, diese Personen nur sich und ihre eigenen Nöte und Bedürfnisse auf dem Schirm haben?
Da kann sich ein Empfinden der Unsicherheit und Verunsicherung entwickeln, basierend auf einer Unzufriedenheit auf emotional aufgewühltem Grund. Negative Gefühlsgedanken können diese dann auch ins Kraut schießen lassen.
Eine anhängige Wut und Frustration mag auch aus anderen Lebensbereichen stammen, die sich flott mit in den „Gedankenzug“ gesetzt haben und ihn fix verlängern können. Es bleibt zu fragen:

  • Füttere ich die negativen und gar selbstzerstörerischen Gedankenkonstrukte noch weiter an?
  • Lasse ich mich dazu verleiten und anstecken, den negativen Gedanken Tür und Tor zu öffnen?
  • Wälze ich mich mit einer resignierenden Haltung in Selbstmitleid, dass ich in dem Schlamassel sowieso nichts ausrichten kann?
  • Weide ich mich am Negativen, weil es mir mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung zusichert?

 

Ist uns in alledem die gesundheitliche Selbstschädigung unbewusst? Gewohnheitsmäßig bleiben wir tief und fest in unserem Gefühlsmodus verhaftet und eingelullt. Unaufhaltsam können die toxischen Gedanken und Emotionen den Menschen in diesem Zustand bei einem schlechten und unzureichenden Geist-Seele-Schutz der inneren Welt vergiften und sich gar krankmachend auswirken.

Die Situation ist vergleichbar mit der verpesteten Luft über einer riesigen Millionenstadt, die wie eine Glocke über ihr hängt – bedingt durch mangelhaften und verantwortungslosen Umweltschutz – und gesundheitsschädliche Auswirkungen für die Menschen hat.
Sehen wir jetzt einmal etwas genauer und mit einer gewissen Neugierde in den Lebensalltag, um das Alles nicht so theorielastig zu machen und unterfüttern es mit praktischen Beispielen:

Da klagt auf hohem Niveau das innere Monsterchen von einem Menschen, der in seiner Lebenswelt zumindest beruflich oder finanziell und existenziell weniger von der Härte des Shutdowns betroffen ist. Dabei besteht „sein Kampf um das tägliche Brot“ lediglich im Backen von besserwisserischen Floskeln, denn er kann auf ein finanzielles Polster zurückgreifen, auf dem es sich auch noch gut schlafen lässt. Er kommt also – im Vergleich zu anderen davon hart Betroffenen – regelrecht glimpflich weg. Und doch ist in alledem auch ihm etwas in seiner Realität für ihn Bedauerliches und Wichtiges genommen worden, nur auf einer anderen Ebene, sonst würde er ja auch nicht jammern und klagen, oder?

Oder aber:

Da besteht die größte Sorge von zwei Damen im Supermarkt darin, wann endlich – oder ob überhaupt – sie ihren All-inclusive-Urlaub wahrnehmen können. Ja, das ist nunmehr für sie ihr größter Verlust mit dem dazugehörigen Gefühl des unsäglichen Bedauerns über die Einbuße ihrer Lebensqualität und ihren vielen unbeantworteten Fragen: Wie lange das noch dauern und ab wann das Reisen wieder möglich sein wird? Zähneknirschend müssen sie sich wohl zurzeit mit dem dreiblättrigen Kleeblatt arrangieren. Vierblättrige „Glücksblätter“ sind zurzeit schwer zu finden!

Während im Gegenteil dazu die alleinerziehende Mutter in der Schlange hinter ihnen, die für sie schmerzhaft gestiegenen Preise von den Lebensmitteln in ihrem Einkaufswagen durchkalkuliert. Diese Erhöhung der Grundnahrungsmittelpreise, teils um über 10–20 % – und gefühlt noch viel mehr –, wird in ihren ohnehin schon schmalen Geldbeutel ein weiteres schmerzliches Loch reißen und ihn zu einer weiteren Mangelernährung verdonnern. Da steigen in ihr – verständlicherweise – schon fiese Gedanken und Gefühle über eine durch andere zum Teil nicht nachvollziehbare Ausnutzung einer Notsituation in ungerechtfertigter Art und Weise hoch und Fragen wie diese: „Was ist mit mir, die ich mich auf der Verliererseite befinde? Wäre es nicht mal vernünftig, dass wiederum hier nicht nur die Gewinner die Schnitte machten? Könnten die Krisengewinnler nicht einmal überlegen, etwas aus der Portokasse abzugeben?“ (Was mancher Discounter tatsächlich später auch tat, indem er die Anschaffung von digitalen Medien in bestimmten Schulen finanziell unterstützte!)

Andere schmerzen Gedanken an den Wegfall von bisher erwarteten Annehmlichkeiten. Ein etwaiger Einwand stimmt wohl, dass diese gewiss nicht lebensnotwendig seien und im Prinzip auch nichts mit dem existentiellen Überleben und seiner Gestaltung zu tun haben. Und doch bildeten diese für die Betroffenen das endlich zu genießende Sahnehäubchen auf ihrer Lebenstorte: Für dieses Ziel hätten sie lebenslang hart gearbeitet und sich dafür auch so manches vom Munde abgespart. Es wäre schließlich das Ergebnis von mehr oder weniger jahrzehntelanger, harter Arbeit und/oder einem Verzicht auf bislang sonstiges Vergnügen – verbunden mit einem Hinsparen bis zu dem Tag oder Lebensabschnitt X, wo man sich endlich für vergangene Einschränkungen belohnen würde.
Diese „materialisierte Schweißperlchenkette“ ist für den einen eine tolle Reise, für einen anderen ein neues Auto oder für einen Dritten die Ausübung eines bislang für ihn zu kostspielig gewesenen oder nicht gegönntes Hobby.

Unbenommen: Diese persönlichen, individuellen Sorgen unterscheiden sich auf den ersten Blick. Jede:r nimmt eine eigene Gewichtung vor und deshalb ist eine Bewertung von außen weniger angebracht. In diesen Beispielen zeigen sich verschiedene Facetten des Denkens: mit seinen Gedanken des Wünschens und Wollens sowie auch sie begleitende Gefühle bei ihrer Erfüllung oder bei einem zwangsläufigen Verzicht.

Im Vergleich dazu gibt es auf ganz anderer Ebene Sorgen, Leid und Schmerz: Da wird so manches Denken angesichts eines plötzlichen Todes eines geliebten Menschen gerade auf einmal eingeengt auf das Elementarste. Wesentliche Aspekte des endlichen Lebens werden radikal auf den Plan gerufen. Im final gesetzten Endpunkt unseres Lebens gibt es für uns Menschen letztlich keinen Unterschied. Jeder haucht früher oder später einmal seinen letzten Atemzug aus. Und was dann? Oder angesichts dessen umgekehrt gefragt:

  • Was ist mit dem gelebten Leben vor meinem Tod?
  • Wie betrachte ich dieses, was ist mir wichtig und welche Erkenntnis ziehe ich daraus?

 

Christa H. Herold, Psychologische Beraterin, ist in eigener Praxis in der systemisch-lösungsfokussierten Beratung, Therapie und Supervision tätig. Darüber hinaus ist sie geprüfte Schriftpsychologin, Burn-out-Beraterin und zertifizierte Mediatorin. Alle Beiträge von Christa H. Herold finden Sie hier.

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
NEU
Lösungsfokussierte Beratung: Ein Fünf-Bausteine-Modell
ab 32,99 €