Gesundheitsökonomien – Zeithistorische Forschungen

Das aktuelle Themenheft »Gesundheitsökonomien« der Zeitschrift »Zeithistorische Forschungen« (02/2020) betrachtet das Verhältnis von Gesundheit und Ökonomie im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert. Die Corona-Pandemie hat die Brisanz dieses Themas noch einmal unterstrichen; viele Grundfragen sind aber deutlich älter. Die Autorinnen und Autoren des Hefts belegen unter anderem, wie eng Privatisierung und Vermarktlichung des Gesundheitswesens mit neuen Praktiken staatlicher Regulierung verbunden waren.

Der Gesundheitsmarkt steht im Spannungsfeld von Patientenwohl, Allgemeinwohl und ökonomischen Interessen. In Krisenzeiten wird dies besonders gut sichtbar. So wirft die Corona-Pandemie seit dem Frühjahr 2020 fundamentale Fragen auf, wer eigentlich die Daseinsfürsorge leistet, ja in welcher Gesellschaft wir überhaupt leben wollen. Die Aktualität solcher Debatten lässt schnell vergessen, wie lange schon –nicht nur in Deutschland –über den Konnex von Gesundheit und Ökonomie diskutiert wird. Politiker, Mediziner und Unternehmer streiten seit mehr als 150 Jahren darüber, wer für die Gesundheit des Einzelnen und für die »Volksgesundheit« verantwortlich sei. Wie viel Wettbewerb vertragen – oder erfordern – Gesundheitspolitik und öffentliches Gesundheitswesen? Wie lässt sich der Gesundheitsmarkt kontrollieren? Wie eng dürfen Politik und Ökonomie, wie eng auch medizinische Wissenschaft und Wirtschaft miteinander verflochten sein? Diesen und weiteren Fragen spürt das Themenheft nach, um neue Einblicke in die jüngere und jüngste Zeitgeschichte zu gewinnen.


Ausführliche Fallstudien betrachten die Ökonomisierung der Altenpflege in der Bundesrepublik Deutschland und in England, die komplementären Logiken von »Plan« und »Markt« in der Gegenwartsgeschichte des bundesdeutschen Krankenhauses, die gewachsene Bedeutung von Patentrechten für die Großunternehmen der Pharmawirtschaft sowie den Aushandlungsprozess über das technisch Machbare und das ethisch Vertretbare in der westdeutschen Reproduktionsmedizin. Natürlich waren und sind derartige Debatten keineswegs auf die Bundesrepublik Deutschland oder auf die westlichen Industriegesellschaften beschränkt. So gehtes in einem Essay zur Fachentwicklung der Gesundheitsökonomie etwa auch um Initiativen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bei denen die Staaten des Globalen Südens stärker im Fokus standen.

Die »Zeithistorischen Forschungen« werden am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam herausgegeben von Frank Bösch, Konrad H. Jarausch und Martin Sabrow. Die Zeitschrift erscheint dreimal jährlich gedruckt und zugleich im Open Access.

Die Herausgeber des aktuellen Themenhefts sind Prof. Dr. Hartmut Berghoff (Georg-August-Universität Göttingen, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte) und Prof. Dr. Malte Thießen (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte, Münster).


Presseinformation des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) – Marion Schlöttke, Öffentlichkeitsarbeit.

 

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
50% Rabatt im 1. Jahr
Zeithistorische Forschungen
37,50 € 75,00 € *