IKEA-Kataloge als Geschichtsquellen – Neue Ausgabe der »Zeithistorischen Forschungen«

Über Jahrzehnte begleitete und prägte das schwedische Möbelhaus IKEA mit seinen Katalogen in vielen Ländern das Alltagsleben. Ende 2020 wurde der gedruckte Katalog eingestellt. Damit ist dieses millionenfach verbreitete Medium nun zur historischen Quelle geworden. Monique Miggelbrink verfolgt den Wandel der wohnästhetischen Leitbilder: Sie untersucht die deutschen und schwedischen IKEA-Kataloge als eine Art Erziehungsratgeber des Ordnens und Gestaltens in Massenkonsumgesellschaften. Das neue Heft der »Zeithistorischen Forschungen« (03/2022) beinhaltet diesmal acht Beiträge zu unterschiedlichen Themen.

Vor 50 Jahren nahmen die Hochschulen (heute Universitäten) der Bundeswehr in Hamburg und München den Lehrbetrieb auf. Niklas Lenhard-Schramm und Jan Stöckmann schildern in ihrem Aufsatz, wie es zur Akademisierung der Offizierslaufbahn kam: Warum wurden dafür eigenständige Hochschulen der Bundeswehr gegründet? Wie wurde Anfang der 1970er-Jahre das Verhältnis von Militär, Wissenschaft und Gesellschaft diskutiert? Die Hamburger Kontroverse um einen »militärischen Sicherheitsbereich« auf dem Gelände der Bundeswehr-Universität hat gezeigt, dass derartige Fragen bis in die Gegenwart akut sind.

Um die Geschichte der Sicherheitspolitik geht es auch in weiteren Beiträgen. So diskutieren Antero Holmila und Pertti Ahonen in ihrem Essay die jahrzehntelange finnische Neutralität, die mit dem NATO-Beitritt des Landes im April 2023 zu Ende ging. Die Autoren verdeutlichen, welche innen- und außenpolitischen Effekte die »Finnlandisierung« im Kalten Krieg hatte. Für die Gegenwart – nach einem möglichen Waffenstillstand in der Ukraine – könne ein solches Modell keine Option sein.

Aufsätze zur bundesdeutschen Polizeihilfe für lateinamerikanische Staaten in den 1970er- und 1980er Jahren, zur österreichischen Flüchtlingspolitik um 1990 sowie zur Stimm- und Wahlenthaltung als Streitgegenstand in der Schweiz ergänzen das Heft. In der Rubrik »Neu gelesen« historisiert Benjamin Möckel den Bestseller »Small is Beautiful«, dessen Erstausgabe vor 50 Jahren erschien. Und Jürgen Dinkel verfolgt in einem Essay die Geschichte akademischer Danksagungen als Form der Selbstpräsentation: Dieses Genre hat viel mit Gesagtem und Ungesagtem, mit Hierarchien und Institutionen, mit anderen Menschen und neuerdings manchmal auch mit Tieren zu tun.

Die »Zeithistorischen Forschungen« werden am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam herausgegeben von Frank Bösch und Martin Sabrow. Die Zeitschrift erscheint gedruckt und zugleich im Open Access.

 

Presseinformation des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) – Marion Schlöttke, Öffentlichkeitsarbeit.

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