Ob, wie und wann darf die internationale Gemeinschaft bei humanitären Krisen eingreifen?

Von der größten humanitären Katastrophe aller Zeiten – dem transatlantischen Sklavenhandel – ausgehend liefert Carl-Erdmann-Preisträger Fabian Klose mit »In the Cause of Humanity« eine Geschichte der humanitären Intervention im langen 19. Jahrhundert. Die Ereignisse der humanitären Intervention – der transatlantische Sklavenhandel, die Intervention zum Schutz der christlichen Minderheit im Osmanischen Reich sowie die Befriedung Kubas im kubanischen Unabhängigkeitskrieg – legen bis heute den Grundstein für eine der vieldiskutiertesten Fragen der internationalen Politik: Wie und wann darf auf die Verletzung von humanitären Normen und damit einhergehenden humanitären Krisen durch die internationale Gemeinschaft reagiert werden?

Die wiederholte militärische Intervention der europäischen Großmächte beim Kampf gegen den transatlantischen Sklavenhandel zum Schutz von humanitären Normen schuf einen einzigartigen Präzedenzfall. Die staatliche Interventionspolitik wurde erstmalig als Lösung humanitärer Krisen fokussiert und auch von zivilgesellschaftlichen Prozessen und nicht-staatlichen Akteuren vorangetrieben. Dies verdeutlicht, dass die Geschichte der humanitären Intervention zeitgleich eine Verflechtungsgeschichte von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren sowie eine umfassende Gewaltgeschichte darstellt.

Der transatlantische Sklavenhandel mitsamt der militärischen internationalen Maßnahmen bildet das Zentrum von Kloses Analyse und stellt zugleich das Entstehen eines humanitären Interventionsverständnisses in der internationalen Politik sowie eines militärischen Vorgehens zum Schutz humanitärer Normen dar. Daran anknüpfend ist das 19. Jahrhundert als Zeitalter der Internationalisierung mit einer ausgeprägten Verrechtlichung der internationalen Beziehungen und dem Ausbilden einer Völkerrechtsordnung zu betrachten. Diese Entwicklungen sind richtungsweisend für das Herausbilden des europäischen Kolonialismus und Imperialismus. Im Endeffekt bedingte die humanitäre Intervention die koloniale bzw. imperiale Durchdringung Afrikas im Namen der Humanitität und Zivilisation.

Neben dem transatlantischen Sklavenhandel und der Intervention zum Schutz der christlichen Minderheit im Osmanischen Reich wird die Perspektive auf die Vereinigten Staaten als außereuropäische Reflexionsfläche der europäischen Interventionspraxis thematisiert. Von diesen Ereignissen und Fallbeispielen ausgehend blickt Fabian Klose auf die Weiterentwicklung des Konzepts der humanitären Intervention im 20. und 21. Jahrhundert, an der deutlich wird, wie stark diese einzelnen Ereignisse über das 19. Jahrhundert hinaus strahlen.

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