1989

Die INDES 01-2019 widmet sich der friedlichen Demonstration in Leipzig am 9. Oktober 1989, welche Deutschland mit der Parole »Wir sind das Volk« stark veränderte.

»Wir sind das Volk« - mit diesem Ruf durch Leipzigs Straßen wurde ein großer Meilenstein in der politischen Geschichte erreicht, der weitreichende Konsequenzen nach sich zog. 30 Jahre später scheint es noch immer Sicherheit zu geben, dass sowohl das Ereignis 1989 als auch die Wahrnehmung darüber miteinander in Einklang stehen. Doch nun scheint eine Befragung des Zäsurcharakters aufgrund aufgedeckter, immer größer werdenden Differenzen unumgänglich. 

1989: Niemand glaubte mehr an einen Schritt nach vorn in der Menschheitsgeschichte; Hoffnung auf Friede, Humanismus und Demokratie verflüchtigte sich schnell und machte Platz für seperatistische Bestrebungen, die zahlreiche Nationalitätenkonflikte zur Folge hatten. Eine rechte Regression hatte die westlichen Industriestaaten ebenso fest im Griff wie der Klimawandel, der neoliberale Umbau von Staatlichkeit und die Spaltung von Arm und Reich immer größere Dimensionen annahmen. Der Umgang mit diesen Unübersichtlichkeiten bedeutete für die jüngste Zeitgeschichte jedoch hauptsaächlich eines: Das Ende der Geschichte mit dem Versuch, die weiterhin bestehenden Kontinuitäten zu verdecken, was auch auf die heutige Gegenwart noch zutreffend ist.

Jüngste Debatten um Ostdeutschland nach 1989 lassen sowohl Geschichte und als auch Geschichten Generationen später in einem neuen Licht erscheinen, sie erneut hinterfragen und ergänzend in den geschichtlichen Kontext einfließen. So wird auch das Jahr 1989/90 heute vielmehr als Fortsetzungs- statt als Bruchgeschichte betrachtet.

Als die CDU 1990  im Osten die Wahl gewann, wurde deutlich, wie sehr die Tradition der DDR bereits vor der Wende verloren gegangen war. In den frühen 1990iger Jahren wurde durch in Flammen stehende Asylbewerberunterkünfte sichtbar, was durch die trennende Mauer über Jahre hinweg verborgen geblieben war.

Einteilen in ein Davor und Danach sollte man die Jahre um 1989 jedoch nicht, da sich einige Ereignisse aus diesem Zeitraum nicht klar genug aufspalten lassen und somit nicht die ganze Geschichte des Jahres 1989 erzählen würden. Dennoch lässt sich sagen, dass sich die Debatte um den Ort von 1989 drei Jahrzehnte später genau am richtigen Ort befindet: Es wird noch einmal neu hinterfragt, reflektiert und vielleicht sogar ein neuer Ausgang der Erlebnisse um 1989 aufgedeckt.

Die INDES 01-2019 gibt Einblicke in die Montagsdemonstration, bei der die 70 000 teilnehmenden Menschen ihre Ängste überwanden und sich mutig den bewaffneten Sicherheitsleuten entgegenstellten. Eine friedliche Demonstration, die nicht mehr aufzuhalten war und entscheidend zum Sturz des DDR-Regimes beigetragen hatte. 

Das Editorial sowie das Inhaltsverzeichnis der INDES zu »1989« finden Sie hier.

 

 

 

 

 

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